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- Transhumanz im Schnalstal
Die Transhumanz im Schnalstal zählt zu den außergewöhnlichsten und ältesten Traditionen im Alpenraum. Jedes Jahr ziehen Hirten mit Tausenden Schafen aus dem Schnalstal über den Alpenhauptkamm zu den Sommerweiden im österreichischen Ötztal – und im Herbst wieder zurück nach Südtirol.
Das Besondere an diesem jahrtausendealten Schafübertrieb ist die Route: Mensch und Tier überwinden hohe Gebirgspässe, Schneefelder und Gletscher und überqueren dabei gleichzeitig die Staatsgrenze zwischen Italien und Österreich. Die Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen gelten als einzige grenzüberschreitende Transhumanz der Alpen, die über Gletscher führt.
Im Frühsommer werden die Schafe aus dem Schnalstal und dem Vinschgau zusammengetrieben. Von Vernagt und Kurzras führen die traditionellen Routen über das Niederjoch auf 3.017 Metern und das Hochjoch auf 2.885 Metern zu den Sommerweiden rund um Vent im Ötztal.
Die Tiere und ihre Hirten bewältigen dabei auf einzelnen Routen innerhalb von zwei Tagen bis zu 44 Kilometer. Steile Anstiege, Felsrinnen, Schneefelder und wechselnde Wetterbedingungen machen den Übertrieb bis heute zu einer großen Herausforderung für Mensch und Tier.
Den Sommer verbringen die Schafe auf den hoch gelegenen Weideflächen des Ötztals. Wenn sich der Bergsommer dem Ende zuneigt, beginnt im September der traditionelle Schafabtrieb zurück ins Schnalstal.
Besonders eindrucksvoll ist die Rückkehr der Herden nach Vernagt und Kurzras. Tausende Schafe ziehen von den hoch gelegenen Weidegebieten über die Jöcher zurück nach Südtirol. Das Läuten der Glocken und die riesigen Herden vor der Kulisse der Ötztaler Alpen machen den Schafabtrieb zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.
Die Rückkehr wird traditionell mit Hirtenfesten gefeiert. Einheimische und Besucher kommen zusammen, um die Hirten und Tiere nach ihrem langen Weg willkommen zu heißen und eine Tradition zu erleben, die im Schnalstal bis heute lebendig geblieben ist.
Die Geschichte der Schafwandertriebe über die teilweise vergletscherten Jöcher der Ötztaler Alpen reicht nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 6.000 Jahre zurück. Über Generationen hinweg entstanden dadurch enge wirtschaftliche, soziale und kulturelle Beziehungen zwischen den Menschen im Schnalstal und im Ötztal.
Seit 2019 gehört die Transhumanz zur Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO. Damit wird nicht nur die außergewöhnliche Form der Wanderweidewirtschaft gewürdigt, sondern auch das Wissen und die Bräuche, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Die Transhumanz im Schnalstal ist damit weit mehr als ein traditioneller Almabtrieb: Sie ist ein lebendiges Zeugnis jahrtausendealter alpiner Kultur und eine einzigartige Verbindung zwischen Südtirol und Tirol.