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Die St. Anna Kapelle in Graun liegt auf einem kleinen Hügel oberhalb des Reschensees und zählt zu den wenigen erhaltenen historischen Bauwerken des alten Dorfes Graun. Während große Teile des ursprünglichen Ortes im Zuge der Aufstauung des Reschensees im Jahr 1950 verschwanden, blieb die Kapelle aufgrund ihrer erhöhten Lage erhalten.
Die spätgotische Kapelle wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts errichtet und am 12. Mai 1521 geweiht. Gemeinsam mit dem heute aus dem Reschensee ragenden Kirchturm der ehemaligen Pfarrkirche St. Katharina erinnert sie an das alte Graun und an die bewegte Geschichte des Ortes.
Historisches Kleinod am Reschensee
Im Inneren präsentiert sich die St. Anna Kapelle vergleichsweise schlicht. Besonders sehenswert ist der Flügelaltar aus dem Jahr 1596, der verschiedene Heilige und biblische Szenen zeigt. Außerdem sind Reste historischer Wandmalereien erhalten.
Eine Besonderheit ist ein Fresko aus der Zeit um 1600, das den heiligen Georg im Kampf mit dem Drachen zeigt. Es erinnert an eine alte Sage, nach der einst ein Drache in einem See bei Graun gelebt haben soll. Die Legende ist eng mit der Entstehungsgeschichte der Kapelle verbunden.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Kapelle umfassend restauriert. Eine weitere Sanierung erfolgte 2021 anlässlich ihres 500-jährigen Bestehens.
Heute bildet die St. Anna Kapelle gemeinsam mit dem versunkenen Kirchturm von Alt-Graun und dem Reschensee ein besonders eindrucksvolles historisches Ensemble. Von der erhöhten Lage eröffnet sich zudem ein schöner Blick über den See und die umliegende Bergwelt des oberen Vinschgaus.